SP Schweiz spricht sich gegen ein Verbot von Actionspielen aus

SP Schweiz spricht sich gegen ein Verbot von Actionspielen aus

Überraschung von der Delegiertenversammlung der SP Schweiz: Fielen die Sozialdemokraten in der Vergangenheit vor allem durch Verbotsforderungen von Exponenten wie Roland Näf oder durch die einstimmige Annahme der radikalen Zensur-Motion von Evi Allemann im Nationalrat auf, so scheinen die Delegierten der SP eine vernünftigere Haltung zu vertreten. In einer hitzigen Diskussion forderte die JUSO mit ihrer Resolution „Jugend mit Zukunft“ einen wirkungsvollen Jugendschutz, eine verstärkte Vermittlung von Medienkompetenz und einen Verzicht auf Verbote. Nach einer emotionalen Debatte, in der die sehr unterschiedlichen Standpunkte der JUSO und der SP Bern aufeinandertrafen, entschieden sich die Delegierten mit grosser Mehrheit für eine leicht modifizierte Version der JUSO-Resolution. Die Einsicht der Genossen kommt allerdings reichlich spät, da mit der Motion Allemann bereits ein Auftrag zur Gesetzesausarbeitung an den Bund übermittelt wurde. Inwiefern dieser Kurswechsel nun die Geschehnisse in Bern beeinflusst, bleibt offen.



Anschliessend noch die Resolution und der modifizierte Vorschlag im Originaltext:

Resolution der JUSO

[...]

Kompetenzen statt Verbote

Der technische Fortschritt hat auch die Kindheit und die Jugend verändert. Die Internetrevolution hat gewaltige Neuerungen mit sich gebracht und sie ist noch lange nicht zu Ende. Kinder und Jugendlichen den Zugang vor möglicherweise „gefährlichen“ Inhalten zu verbieten ist weder realistisch noch förderlich. Die Jugendlichen haben das Recht auf eine selbstbestimmte und altersgerechte Jugendkultur. Die SP wehrt sich daher gegen die vorgeschlagenen Verbote von elektronischen Actionspielen (so genannten „Killergames“).

Stattdessen müssen die Kompetenzen mit solchen Inhalten umzugehen gefördert werden. Die SP steht für einen konsequenten Jugendschutz und für die Förderung der Medienkompetenz von Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen.
Stellungnahme der Geschäftsleitung: Modifizierte Annahme

Die Geschäftsleitung der SP Schweiz empfiehlt der Delegiertenversammlung die Annahme
der Resolution, mit zwei Änderungen:

[...]

2. anstatt: „Kinder und Jugendlichen den Zugang vor möglicherweise „gefährlichen“ Inhalten zu verbieten ist weder realistisch noch förderlich. Die Jugendlichen haben das Recht auf eine selbstbestimmte und altersgerechte Jugendkultur. Die SP wehrt sich daher gegen die vorgeschlagenen Verbote von elektronischen Actionspielen (so genannten „Killergames“).“

Neu: „Die Jugendlichen haben das Recht auf eine selbstbestimmte und altersgerechte Jugendkultur. Die SP ist daher gegen ein grundsätzliches Verbot von elektronischen Actionspielen (so genannten „Killergames“). Mittels gesetzlicher Alterslimiten muss aber sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche keinen Zugriff auf nicht altersgerechte Spiele haben.“

Begründung: Ein grundsätzliches Nutzungsverbot von Killergames schiesst über das Zielhinaus. Gleichzeitig teilt die GL die Aussage der Juso nicht, wonach es weder realistisch noch förderlich ist, „Kindern und Jugendlichen den Zugang von möglicherweise gefährlichen Inhalten zu verbieten.“ Dies soll aber, wie bei gewaltverherrlichenden Filmen, nicht über grundsätzliche Verbote, sondern über eine Regelung via Alterslimiten gehen.

Quelle: http://www.sp-ps.ch/fileadmin/downloads/DV-AD/2010/05-Frauenfeld/Tischvorlage_d-def.pdf

HEADER  

 
0 #7 Grmp 2010-06-16 17:25
SP lässt sich für alles missbrauchen
http://www.netzwoche.ch/news/038388-braucht-die-schweiz-ein-gesetz-gegen-das-illegale-herunterladen-von-musik
 
 
0 #6 Grmp 2010-06-06 09:14
Danke an die JUSO

An die SP gerichtet zu wenig und zu spät von einem Umdenken kann erst die Rede sein wenn sie das Hirngespinst von Allemann/Näf abschiessen. Mit diesem Mundbekenntnis ist der von der SP zuvor angestossene weltfremde Weg noch nicht aus der Welt.
 
 
0 #5 Gwendolan 2010-06-01 14:05
Reichlich spät... Ev. hängt es auch damit zusammen, dass der Unsinn im Parlament ja schon durchgewunken wurde? Resolutionen kosten ja nichts - wenn dann einmal der auf der Motion Allemann basierende Gesetzesentwurf da ist, kann die SP den ja trotzdem noch annehmen...
 
 
0 #4 snoop74 2010-05-31 21:14
Die Genossen bekommen wohl kalte Füsse angesichts der dauernden Wahlverluste, welche durch eine meiner Meinung nach weltfremde und blauäugige Politik begründet sind. Offenbar will man durch das verbale Entschärfen der von der SP selbst geforderten Zensuren das Abwandern der jungen Wähler bremsen. Nun, liebe Genossen, die Einsicht kommt etwas spät. Der Ruf der SP hat bei den Jungwählern schon sehr gelitten durch die durchgewunkenen Zensur-Motionen .
 
 
0 #3 Flash 2010-05-31 09:15
zitiere Joel:
Ein erfreulicher Wandel der SP. ;)
Vielleicht wurden die unaufgeklärten und ignoranten Meinungen von Näf & CO. auch zu stark verallgemeinert und es gab gar keinen Wandel - nur zu berühmte Einzelfälle.
Auf jeden Fall eine gute Nachricht!


Habe ich ja schon immer gesagt ;)
 
 
+2 #2 Joel 2010-05-30 20:31
Ein erfreulicher Wandel der SP. ;)
Vielleicht wurden die unaufgeklärten und ignoranten Meinungen von Näf & CO. auch zu stark verallgemeinert und es gab gar keinen Wandel - nur zu berühmte Einzelfälle.
Auf jeden Fall eine gute Nachricht!
 
 
0 #1 Ghostwulf 2010-05-30 14:50
Endlich mal wieder eine gute Nachricht nachdem es eine weile ziemlich miserabel lief.

Meinen Dank an die JUSO. :lol:
 

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