Shooterplanet: Richtigstellung gegenüber 20 Minuten

Shooterplanet: Richtigstellung gegenüber 20 Minuten

Shooterplanet.chVor einiger Zeit berichteten 20min.ch gewohnt einseitig über das deutsche Ego-Shooter-Portal "Shooterplanet", welches aufgrund einer drohenden Zensur der Seiteninhalte in die Schweiz zog und nun nicht mehr mit dem Suffix .de, sondern .ch zu finden ist. Der Artikel auf 20min.ch stellt sich voll und ganz auf die Seite der Verbotsbefürworter und schreibt unter anderem:

"[...] Seit dem Umzug funktioniere alles wieder «ohne jegliche Zensur», sagt Torsten H. und dankt der Schweizer Regierung höhnisch für das lasche Gesetz. [...]"

20min.ch: Killerspiel-Anbieter flieht in die Schweiz. http://www.20min.ch/news/schweiz/story/29241149

Objektive Berichterstattung sieht definitiv anders aus.

Auf ihrer Hauptseite haben die Betreiber von Shooterplanet nun eine lange Richtigstellung veröffentlicht, welche seinerseits mit 20min.ch hart ins Gericht geht:

"[...] Wir, das gesamte Team von Shooterplanet.ch, möchten uns mit dieser Richtigstellung vehement gegen die Kampagne der Fehlinformationen von 20min.ch stellen. De Facto muss bereits an dieser Stelle bemerkt werden, dass 20min.ch durch einseitige Berichterstattung und überaus dilettantischer Nachforschung einen Artikel veröffentlichte, der nicht nur äußerst grotesk ist, sondern auch als Pamphlet betrachtet werden muss. [...]"

Shooterplanet: Richtigstellung. http://www.shooterplanet.ch

Der 20min.ch-Bericht behauptet, dass Shooterplanet "tausende brutaler Killer-Games zum Download anbietet". Shooterplanet setzen dem entgegen, dass sie nirgends auf der Seite genannte tausende Gewalt darstellende Spiele frei zum Download anbieten, sondern zu Verkauf. Ausserdem seien gerade mal 55 dieser knapp über tausend Spiele Vollversionen, den Rest bilden Demoversionen.

In ihrer Richtigstellung greifen die Seitenbetreiber auch die Thematik der Definition "Killerspiele" auf:

"[...] Shooterplanet.ch ist kein „Killerspiel-Anbieter“ (Schlagzeile von 20min.ch). Shooterplanet.ch ist ein Portal, welches über Action-Spiele informiert und sich als Magazin in diesen Dingen sieht. Ebenfalls ist der Gebrauch des Terminus „Killerspiele“ augenscheinlich nicht neutral. Würden die Damen und Herren von 20min.ch auch nur ansatzweise etwas von der Spieleszene verstehen, so wären sie dazu bereit, den Terminus „Ego-Shooter“ zu verwenden. [...]"

Shooterplanet: Richtigstellung. http://www.shooterplanet.ch

Die Aussage im Text ist soweit richtig; es ist jedoch ganz klar, dass in hetzerischen Berichterstattungen wie dem 20min.ch Artikel immer dieser Terminus gewählt werden wird, denn er ist reisserisch, in den Köpfen der Leute festgesetzt und stellt die Spiele als Ganzes als gefährlich dar. Was könnte sich der Shooter-Gegner mehr wünschen? Natürlich, gleich ein Verbot:

"Doris Fiala (FDP, ZH) ist schockiert über die Seite und will die Gesetzeslücke schliessen. «Kinder dürfen nicht so leicht an solche Games rankommen», sagt die Nationalrätin. «Amokläufe wie jener in Winnenden sollten ein Alarmsignal sein.» Der Berner SP-Grossrat Roland Näf fragt sich, wann der blutrünstigen Schlächterei am Bildschirm Grenzen gesetzt würden. «Die Schweiz wird zur Oase für Killerspiele», warnt Näf, der für ein Verbot der Spiele kämpft."

20min.ch: Killerspiel-Anbieter flieht in die Schweiz. http://www.20min.ch/news/schweiz/story/29241149

Der geneigte Leser fragt sich nun, wieviel Einfluss Näf und seine Verbündeten tatsächlich haben wenn es darum geht, wie Newsberichte inhaltlich gestaltet werden. Mit dem Begriff "für ein Verbot kämpfen" in Kontrast mit Torsten H.'s angeblich höhnischer Freude über die "jugendfeindlichen" Gesetze wird bewusst ein Schwarz-Weiss-Kontrast erzeugt: Die bösen Killerspiele und ihre kranken Anhänger, und auf der anderen Seite die guten Politiker, welche edelmütig für das Wohl aller kämpfen. Dieser Kontrast scheint sich mehr und mehr zu etablieren.