"Columbine": 10. Jahrestag

"Columbine": 10. Jahrestag

Überwachungskamerabild. current.comHeute vor genau zehn Jahren trug sich in Columbine, einem Ort nahe Denver und Littleton im US-Bundesstaat Colorado der Schulamoklauf zu, der wohl auch heute noch der Bekannteste und Ominöseste all dieser Schreckenstaten sein dürfte. Mittlerweile nur noch "Columbine" genannt, setzte der Massenmord, der fünfzehn Menschen das Leben kostete (darunter auch das der Täter Eric Harris und Dylan Klebold, damals 18 beziehungsweise 17 Jahre alt) und und Dutzende teils schwer Verletzte hinterliess, die Diskussion rund um Gewalt in den Medien in Gang. Überall auf der Welt wurde die Frage laut, was die Jugendlichen von heute zu solchen Schreckenstaten hinreissen könnte.

Es dauerte nicht lange, bis gerade neuere und bei zumeist älteren Kritikern unbeliebte Medien und Plattformen in Kreuzfeuer gerieten: Man gab Marilyn Manson und Rammstein die Schuld, da sie mit ihren "Hass glorifizierenden" Texten die Jugendlichen zu Mord und Totschlag aufrufen würden. Gewalthaltige Filme wie "Natural Born Killers" und Ego-Shooter-Games wurden beschuldigt, den Tätern reale Vorlagen und Übungsmöglichkeiten für ihre tödlichen Vorhaben zu bieten. Es geschah etwas, was schon vor fünfzig Jahren bei "unerklärlichen" Gewalttaten unter Jugendlichen geschah: Man beschuldigt, was man nicht kennt und nicht versteht.

Augenzeugenaussagen und Polizeiberichten zufolge nahmen die Mörder zuerst jeden ins Visier, der sich bei derem Eindringen in das Schulgebäude zufälligerweise in deren Nähe aufhielt. Anschliessend versuchten Harris und Klebold, gezielt die "Jocks", also Sportler der Schule, zu töten. In US-amerikanischen Schulen herrscht seit Jahrzehnten eine starke Cliquenbildung, wobei die "Jocks" jeweils die stärkste Gruppierung mit den meisten Sympathien unter den anderen Schülern ausmachen. Gerade deshalb mobben die Sportler aber auch oft jüngere und schwächere Schüler teilweise sehr oft und hart  (siehe dazu "Ich knall Dich ab!" von Morton Rhue, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-58172-6). Der Tod einer Schülerin weckte unter Experten den Mythos des Märtyrertodes; sie wurde vor ihrer Hinrichtung durch Kopfschuss scheinbar von einem der Täter nach seiner religiösen Zugehörigkeit gefragt: Auf die Frage von Harris, ob jemand unter den Anwesenden in der Schulcaféteria an Gott glaube, soll Cassie Bernall (17) mit Ja geantwortet und gesagt haben, dass Gott auch Harris liebt. Nachdem Harris darauf mit "Es gibt keinen Gott!" geantwortet hatte, wurde Bernall erschossen. Ein anderer Schüler, Isaiah Shoels (18), wurde getötet, allein weil er afro-amerikanischen Ursprungs war.

Nach gut einer Stunde und 25 Minuten des Terrors wurde das Schulhaus von SWAT-Einheiten gestürmt. Harris und Klebold hatten sich da bereits selbst gerichtet. Allein in der Bibliothek der Schule wurden zwölf Leichen identifiziert, darunter diejenigen der Täter.

Videospielkritiker, welche Zensuren und Verbote von Gewalt darstellenden Videospielen fordern, berufen sich auch heute noch gerne auf die Gräueltat von Columbine. Sie behaupten, dass das Spiel "Doom" Harris und Klebold beim Planen ihres Massakers geholfen hatte und ihnen z.B. das Zielen mit den Waffen beigebracht habe. Andere gehen so weit, zu behaupten, dass "Doom" der Auslöser für die Tat war. "Doom" konnte man damals nur mit der Tastatur spielen. Es gab keine Möglichkeit, z.B. eine Maus zu benutzen, um auf der vertikalen Achse zu zielen. Ausserdem spielte das Spiel in ferner Zukunft auf dem Mars, wo ein "Space Marine" Dämonen und Monster erschiessen muss. Harris und Klebold hatten offensichtlich starken Hass und Misantropie in sich. Allein das Beispiel von Cassie Bernall und Isaiah Shoels sprechen klar gegen einen negativen Einfluss von Videospielen auf die Täter. Kein normal erhältliches, im Mainstream bekanntes (oder von den Tätern gespieltes) Videospiel lehrt einen jungen Menschen Rassismus, Religionshass oder so brutale Kaltherzigkeit. Ich behaupte, dass kein Videospiel jemals so viel Aggressionen, Frust und Hass in einem Menschen erzeugen können, wie die täglichen Hänseleien, physischen und verbalen Übergriffe, und die fehlende elterliche Präsenz, die Harris und Klebold erfahren mussten, es kann.

Heute, zehn Jahre nach "Columbine", gedenken wir der vielen unschuldig Ermordeten, die bei den so genannten "Killing Sprees" ums Leben gekommen sind. Unser Appell geht an alle Eltern: Bitte hören Sie ihren Kindern zu. Frust, Hass und ähnliche negative Emotionen, die sogar in starke Depressionen leiten können, machen sich immer bemerkbar. Beobachten Sie das Verhalten Ihrer Kinder und seien Sie bitte für sie da. Vielen Dank.

(Quelle: Wikipedia.de)