Ignoranten im Bundeshaus

Ignoranten im Bundeshaus

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Viele von uns hatten Staatskunde und kennen die wirren Regelungen der schweizerischen Demokratie. Teil von dieser höchst komplizierten politischen Struktur ist auch die Möglichkeit, dass eine schlecht informierte Minderheit eine lächerliche vor Kurzsichtigkeit und Populismus strotzende Motion bis zur Bundesversammlung vordringen kann.

Dieser Akt der Ignoranz wurde im letzten Monat zwei Mal vollbracht. Im Jahr 2008 ein weiteres Mal und im Jahr davor noch mal ganze vier Mal. Von diesen sieben Motionen stehen noch sechs offen, wurden also noch nicht im Plenum behandelt. Wenn man die Motionen vergleicht, fällt einem dabei auf, dass es eine weitläufige Auswahl an Parallelen zwischen ihnen gibt, so kommt das bei Populisten so beliebte Wort „Killerspiel“ in vielen der Texten vor, genau so wie die Begriffe „grausam“ und „gewaltverherrlichend“, wobei wir noch nie einen Shooter-Gegner gesehen haben, der einen von beiden Begriffen konkret definieren konnte. Offenbar herrscht in der Schweizer Politik grosse Unwissenheit und Angst, die vielen Politikern reicht um ein flächendeckendes Verbot und die Verstümmelung der Medienfreiheit und der Mündigkeit tausender schweizerischen und in der Schweiz ansässigen Erwachsenen zu fordern.

 

Hier noch einmal die Motionen aufgelistet

 

Interessant zu beobachten ist dabei die Entwicklung der Motionen. Während die Motion 07.3870 aus dem Jahre 2007 noch davon spricht, den Verkauf von FPS an Minderjährige gesetzlich zu verbieten und das PEGI-Rating zu verankern, predigt die Ständemotion 08.316, die knapp 6 Monate später eingereicht wurde, schon ein „Verbot der Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, des Verkaufs und der Weitergabe von Spielprogrammen, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen“. Und jüngst wurde die Motion 09.3422 eingereicht, welche klar in Kauf nimmt, dass man der Mehrheit ein Recht nimmt, um so die wenigen potentiellen Amokläufer zu stoppen. Naives Wunschdenken, wenn sich doch eine hohe Anzahl Experten darüber einig sind, dass die Ursache nicht beim Symptom Games zu suchen ist, sondern im sozialen Umfeld.

In den Motionen sind noch einige weitere Perlen zu finden, so beschuldigt die Motion 07.3875 Ausländer, tendenziell nicht mit modernen Medien umgehen zu können, die Motion 07.3894 wiederum stützt sich auf Medienberichten um ein Verbot zu begründen, die selben Medien, die sie bezichtigen, gewalthaltige Filme auszustrahlen, und zuletzt behauptet die Motion 09.3394, dass Killerspiele Amokläufe verursacht und das die Täterprofile von den Amokläufen wie Winnenden der Beweis dafür sind. Von Waffen im Keller, Schützenvereinen, Mobbing und anderen Faktoren ist nicht mal die Rede. In keiner Motion.

Auch interessant zu beobachten ist, dass sich solcher Haufen Unsinn mit Hilfe von sowohl Links wie auch Rechts angesammelt hat, dass also die Ignoranten sowohl Sozialdemokraten wie auch Bürgerliche sind. Jedoch muss man auch korrekterweise erwähnen, dass es sowohl Bürgerliche wie auch Mitglieder des linken Flügels gibt, die sich gegen ein Verbot äussern, wie zum Beispiel Cedric Wermuth, Daniel Lisibach und Jeanette Schlegel.

Ein Trost hierbei ist, dass der Bundesrat bis jetzt jede behandelte Motion abge-lehnt hat und auch der Bundesversammlung dasselbe rät. Jedoch garantiert das noch nichts und gerade deshalb ist GameRights auch so wichtig. Als unorganisierte Gamer können wir nichts tun, doch zusammen als Verein können wir vieles mehr erreichen und uns die Wirren der Demokratie zunutze machen um uns gegen diese Ignoranz zu wehren und unsere Rechte als mündige Erwachsene zu wahren. Denn wie Günther grass so schön sagte:

„Jede demokratische Gesellschaft, die ihre Konflikte nicht austrägt, sondern durch Verbotserlasse konserviert, hört auf, demokratisch zu sein, bevor sie beginnt, Demokratie zu begreifen.“