Standesinitiativen gegen "Killerspiele" - Weshalb noch mehr kommen wird

Die Absicht, die dahinter steht, liefert der Freiburger Sicherheits- und Justizdirektor Erwin Jutzet (SP) gleich selbst:

Die bestehenden Bestrebungen für ein Verbot solcher Spiele würden so verstärkt.

Freiburg will Killerspiele verbieten, 20minuten Online, 19.06.2009

Auch in anderen Kantonen werden Diskussionen um Jugendgewalt im Allgemeinen und den so genannten "Killerspielen" im Konkreten geführt. Es darf auch davon ausgegangen werden, dass es nicht bei der Berner, St. Galler und demnächst Freiburger Motionen bleiben wird. Doch woher kommt der plötzliche Aktivismus unserer Politiker in dieser Frage?

Vier Behauptungen, welche auf der These basieren, dass Politiker mit einem "Killerspiele-Verbot" ein probates Mittel gefunden haben, mittels einer Scheinlösung der Jugendgewalt aktiv zu begegnen:

 

Jugendgewalt als Dauerbrenner

Subjektiv scheint es, dass die Jugendgewalt zum Kernthema unserer heutigen Gesellschaft geworden ist. Kaum ein Tag, an dem nicht über Strolchenfahrten, Alkoholismus, Massenvergewaltigung oder Schlägereien von Jungendlichen berichtet wird. Aus dieser subjektiven Wahrnehmung heraus scheint unsere Politik gefordert zu sein, Massnahmen zu ergreifen. Tun sie nichts, werden sie in der Gesellschaft als passiv oder desinteressiert wahrgenommen. Aber: Sind die Jugendlichen im Jahr 2009 wirklich so viel gefährlicher als vor 30 oder vor 100 Jahren? Aristoteles stellte schon vor rund 2400 Jahren fest:

"Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere heutige Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen."

Föderalismus fördert den Aktivismus

Auf Grund unseres politischen Systems und dessen weit reichenden Kompetenzen auf kantonaler Ebene ist es wenig verwunderlich, dass sich nun jeder Kanton als Folge der vorgängig gemachten Feststellung einzeln um Massnahmen bemüht. Die Entwicklungen sind vergleichbar mit den Rauchverboten, mit dem Unterschied, dass ein kantonaler Alleingang in Sachen Spieleverbot nutzlos ist, da man das Game dann ja einfach im Nachbarskanton kaufen könnte. In der Folge werden die Kantone beim Bund vorstellig (Standesinitiativen). Schuldig bleiben uns die Politiker die Antwort auf die Frage, wie im Falle eines nationalen Verbots der Kauf eines Games im Ausland verhindert sein will.

 

 

 

 

Hilflosigkeit mit neuen Technologien

 

 

Wie spätestens im Rahmen der Nationalratsdebatte vom 3. Juni festgestellt werden konnte, scheiden sich Befürworter und Gegner eines Verbots gewisser Computerspiele diesmal nicht in die klassischen Links- und Rechts-Lager. Politiker aus der SP bis zur SVP stimmten den Motionen Allemann und Hochreutener zu. Vielmehr konnte - mit einigen Ausnahmen - ein Zwist zwischen jung und alt festgestellt werden. Diese Tatsache erstaunt wenig und kann darauf zurückgeführt werden, dass der Grossteil der Nationalratsmitglieder einer Generation angehören, die noch weitgehend ohne Computer und der damit zusammenhängenden Technologien aufgewachsen sind. Selbiges gilt im Grundsatz auch für Bundesräte, Ständeräte, Kantonsräte und Gemeinderäte. Dem entsprechend ungelenk, ja hilflos bewegen sich diese Politiker auch in Themen, welche neue Technologien betrifft. Getreu dem Motto: "Browser? Was sind jetzt, ähm, Browser?"

http://www.youtube.com/watch?v=X92GtG1G_hY

 

 

Somit erstaunt es auch wenig, dass uns bisher keiner der Verbotsbefürworter weder eine klare Definition liefern konnte, was den nun verboten werden sollte und was nicht, noch wie ein Verbot durchgesetzt werden könnte. Was unweigerlich zur vierten und letzten Behauptung führt:

 

 

Eine Handvoll Rädelsführer

 

Trennt man den Weizen vom Spreu, also die Politiker, welche sich aktiv für ein Verbot einsetzen von jenen, welche "nichts dagegen" haben, da sie sich sowieso nicht mit Computerspielen identifizieren können und ihnen ein Verbot von Spielen deshalb - ganz im Gegensatz zu Alkohol oder Tabak - auch nicht weh tut, so bleiben eine Handvoll Politiker übrig. Indizien für diese Behauptung gibt es zu Genüge. So ist es zum Beispiel sehr auffällig, wie sich das Wording der Verbotsbefürworter immer wieder ähnlich ist oder gar identisch ausfällt. Sei es in Leserbriefen, wo über "grausame Gewalt gegenüber Menschen und menschenähnlichen Wesen, welche zum Spielerfolg führen" lamentiert wird oder im jüngsten Vorstoss im Kanton Freiburg:

 

Das Verbot soll sich gegen Spiele richten, in denen mit brutalster Gewalt Menschen oder menschenähnliche Figuren bekämpft werden müssen.

Freiburg will Killerspiele verbieten, 20minuten Online, 19.06.2009

 

Diese "Handvoll", welche sich mutmasslich um den Berner SP-Grossrat Roland Näf schart, weiss die Ahnungs- und Hilflosigkeit ihrer Politikerkollegen und -kolleginnen gekonnt auszunützen. Dass sich keiner der passiven Verbotsbefürworter die Finger verbrennen will, liegt auf der Hand: Wer sich gegen ein Verbot solcher Spiele ausspricht, so die Auffassung, macht sich zum Komplizen einer milliardenschweren Industrie und ist grundsätzlich ein Befürworter von Gewalt.

 

 

Es erstaunt also nicht, dass zurzeit Vorstösse, welche ein Verbot von Gewalt darstellenden Spielen fordern, hoch im Kurs stehen und jeweils auch mit überwältigendem Mehr durchgewinkt werden. Näf und dessen Getreue spinnen im Hintergrund weiter an ihrem Netzwerk auf sämtlichen politischen Ebenen. Die nächste Standesinitiative folgt bestimmt! Umso wichtiger ist es, dass wir, die Community, uns gegen die infamen Behauptungen der Spielegegner und deren Manipulationsversuche gegenüber anderen Politikern, den Eltern und unserer Gesellschaft im Allgemeinen zur Wehr setzen!

 

 

Unsere Bannerpartner: