VGMG: "Anhänger von grausamer Gewalt verteidigen ihr Hobby"

VGMG: "Anhänger von grausamer Gewalt verteidigen ihr Hobby"

Vereinigung gegen mediale GewaltUnd einmal mehr werden Gamer und Gamerinnen als Anhänger von grausamer Gewalt bezeichnet. Im vergangenen Jahr hat Roland Näf, der Gründer der Vereinigung gegen mediale Gewalt und Präsident der SP des Kantons Bern, Gamer in der ganzen Schweiz erzürnt. Er sieht den Konsum von Videospielen mit gewalttätigen Inhalten als Auslöser für einen Wertezerfall, sowie als Ursache von Amokläufen und Suiziden. Siehe dazu auch diesen Artikel von GameRights.

Die Vereinigung gegen mediale Gewalt, kurz VGMG, hat ihren Jahresbericht 2010/11 veröffentlicht. Werfen wir gemeinsam einen Blick darauf.

Bereits der Name der Vereinigung ist irreführend. Mediale Gewalt gibt es in allen Medien, von Büchern über den Rundfunk sowie in Zeitungen. Aber die VGMG beschäftigt sich fast ausschliesslich mit der kritischen Auseinandersetzung von Gewaltdarstellungen in Videospielen.

Im Jahresbericht werden noch einmal die Ziele der Vereinigung zusammengefasst. Sie schlägt für den Umgang mit Killerspielen vor, dass mehr Aufklärung nötig sei und dass die Medienkompetenz bei Jugendlichen und bei Eltern gefördert werden soll. Ausserdem will man einen rechtlich verbindlichen Jugendschutz einführen und den Handel mit besonders grausamen Gewaltdarstellungen verbieten.

Dass der leidige Begriff „Killerspiel“ immer noch so unreflektiert im Jahresbericht der VGMG verwendet wird, macht uns stutzig. Der Begriff ist nicht genau definiert und könnte auf jedes Videospiel zutreffen, in dem ein Gegner eliminiert werden muss. Aus diesem Grund ratet GameRights dringend vom Gebrauch eines solch schwammigen Begriffs ab. Nach zahlreichen Debatten ist der Begriff überholt und wirkt unprofessionell.

In der Förderung der Medienkompetenz von Erziehungsberechtigten sieht auch GameRights eines der wirksamsten Mittel, damit Jugendliche nicht an Videospiele gelangen, die nicht für sie gedacht sind. Ein rechtlich verbindlicher Jugendschutz kann ebenfalls dazu beitragen. Der Handel mit Medien mit besonders grausamen Gewaltdarstellungen ist durch den Artikel 135 im schweizerischen Strafgesetzbuch bereits verboten.

Ein Problem besteht darin, wie die Vereinigung von einigen wenigen negativen Beispielen von Videospielen Rückschlüsse zieht auf deren Gesamtheit und deren Nutzer. Das ganze letzte Jahr hindurch hat sich die VGMG immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Angeprangert wird, dass Videospiele immer realitätsnaher und gewalthaltiger werden. Als Konkrete Beispiele werden das auf dem gleichnamigen Comic basierende The Darkness sowie Saints Row 2 genannt. Beide Spiele sind jedoch auch laut PEGI nur für Erwachsene freigegeben und haben absolut nichts in einem Kinderzimmer verloren.

Des weiteren prangert die Vereinigung den Sexismus in Videospielen an und nennt als Beispiel Duke Nukem Forever. Das in diesen Games vermittelte Bild der idealen Frauen und Männer sei nicht akzeptabel. Sexismus ist jedoch kein spezifisches Problem in Videospielen, sondern kommt jeden Tag aufs Neue in allen Medien vor. Die neue Werbung für das Duschgel Axe, diverse Fernsehprogramme, die Seite 1 der Blick-Zeitung und der freie Zugang zu Pornoheften am Kiosk fällt ebenso in die Kategorie „Medial vermitteltes Idealbild von Mann und Frau“. Da ist es keine Überraschung, dass es Videospiele gibt, die den Stereotyp auf die Spitze treiben. Duke Nukem Forever ist eine Übertreibung des männlichen Macho, genauso wie Rambo oder der Terminator. Man muss festhalten, dass es viele Spiele gibt, in denen tiefgründige Charaktere vorkommen, die nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden. Ein Beispiel wäre Kommandant/Kommandantin Shepard aus der Mass Effects-Reihe oder Alistair und Leliana aus Dragon Age: Origins. Beides Videospiele, die Gewaltdarstellungen beinhalten und sich an ältere Spieler und Spielerinnen richten.

Laut Jahresbericht wird der Arbeit der Vereinigung sehr viel Widerstand entgegengesetzt. "Anhänger von grausamer Gewalt" würden ihr Hobby mit viel Aufwand rechtfertigen. Vermutlich ist damit gemeint, dass wir Gamer und Gamerinnen uns gewehrt haben von Personen der VGMG wiederholt als krankhafte Psychopathen hingestellt zu werden. Zwar will die Vereinigung gegen mediale Gewalt sicher viel Gutes und spricht eine wichtige Problematik an. Jedoch wehren wir uns gegen eine unreflektierte Verallgemeinerung des Mediums „Videospiel“ und einer Stigmatisierung von erwachsenen Gamer und Gamerinnen. Der Jahresbericht der VGMG hat wieder einmal gezeigt, dass unser Kampf noch lange nicht vorbei ist.

Der Jahresbericht 2010/11 des VGMG kann hier in voller Länge gelesen werden.

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+1 #5 dUFGoLZ 2011-06-24 10:04
Mir kommt es vor, dass diese "Experten" sowie viele andere Leute Computerspiele als eine Art "Kinderspielzeu g" sehen. Dabei ist es doch offensichtlich, dass ab-18-Spiele ebenso wenig für Kinder gedacht sind wie Erotik und Alkohol.
Das traurige an der Sache ist wohl, dass die Öffentlichkeit jedes Wort der VGMG glaubt.
 
 
+4 #4 Athavariel 2011-06-20 16:52
Ja Halbwahrheiten als Expertenmeinung zu verkaufen, dass kann der VGMG. Leider glauben noch zu viele, dass beim VGMG "Experten" sitzen. Auch in den Medien, Stichwort 20Minuten, in der Roland Näf immer wieder als "Experte" seine Meinung kundtun darf. Tragisch.
 
 
+4 #3 Foehammer 2011-06-20 15:44
Wunderschön, wie zunächst ausgeführt wird, dass Games noch realitätsnäher und gewalttätiger werden und dann Videos von 2007 verlinkt werden...
und dass Frauen in Videospielen vorkommen ist jetzt also auch ein Problem - dass DukeNukem absichtlich mit Klischees spielt ist ja egal und dass halt virtuelle Brüste etwas grösser ausfallen, sollte doch echt kein Problem sein - oder doch?
 
 
+4 #2 Alain 2011-06-20 09:20
Es ist eigentlich schon etwas verwunderlich, wie viel Gemeinsames VGMG und wir wollen - und doch sind wir so unterschiedlich ... Genau wie wir wollen sie die Medienkompetenz der Eltern stärken, genau wie wir wollen sie einen rechtlich verbindlichen Jugendschutz und auch wie wir sehen sie, dass Aufklärung Not tut. Und trotzdem trennen uns Welten...

Manchmal ist das Leben echt wie eine Pralinenschacht el. ^^
 
 
+3 #1 Ghostwulf 2011-06-19 15:50
Oh Mann, dieser Verein geht mir einfach so etwas von auf die Nerven!
 

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