Die Gamingindustrie in Zeiten von Corona: Ein Überblick

  • Thomas
  • 25. März 2020
  • Essays
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Das «neue Coronavirus», von der WHO «Severe Actute Respiratory Syndrome CoronaVirus 2» oder «SARS-CoV-2» getauft, ist momentan das grosse Gesprächsthema weltweit, und wenn wir nicht alle mitmachen und zuhause bleiben, ist es auch bald in aller Munde. Rund um den Globus spürt man soziale und wirtschaftliche Veränderungen, welche ihren Grund in der Pandemie finden. Doch was genau macht die Gaming-Industrie gerade? Wie wirken sich COVID19 und die Angst davor auf unser aller Lieblingshobby aus? Wir haben uns einen Überblick verschafft.

1. Erhöhter Konsum

Zunächst eine wohl logische Konsequenz: Wird ein Grossteil der weltweiten Workforce in die auch als «Quarantäne» bekannten Zwangsferien geschickt, wird mehr gezockt. In den Zeiten von Zoom, Discord und Google Hangouts stellen Games und nebenbei gehaltene Gespräche den für den Menschen so wichtigen sozialen Austausch sicher: «Das Wichtigste ist, dass wir so immer noch regelmässig miteinander sprechen und einander nach einer stressigen Woche zuhören können», sagt etwa Kat Safreed in einem Interview mit NPR. Sie spielt aktuell mit ihrem Ehemann und Freunden The Sims und Pokémon. Das Paar, das sonst regelmässig Dungeons & Dragons mit Bekannten spielt, verlegte dieses Hobby in die Online-Welt, um «Social Distancing»-Regeln einzuhalten.

Gerade die sozialen Medien werden von Online-Games regelrecht abgehängt: Verizon, einer der grössten Internet Service Provider in den USA, verzeichnete 75% mehr Gaming-Traffic in der vergangenen Woche, während der allgemeine Traffic 20% und der Video-Streaming-Traffic 12% gewachsen ist. Der Social-Media-Traffic allerdings zeigte keine Veränderung. SteamDB meldete einen neuen Rekord: Am 15. März sollen über 20 Millionen Spieler gleichzeitig in Steam eingeloggt gewesen sein. Es zeigt sich also, dass sich viele Menschen in Zeiten der Angst und Unsicherheiten den Games zuwenden, um die nötige Mentalhygiene in Form von Eskapismus zu erhalten.

 

2. Digitale Mithilfe

Schon mal von Folding@Home gehört? Bei diesem Projekt handelt es sich um den Versuch, Rechenpower aus der ganzen Welt zusammenzuschliessen und so einen riesigen, starken Supercomputer aufzubauen. Dies dient dem Zweck, die Proteinfaltung — ein für die korrekte Funktion von Proteinen notwendiger Prozess — zu simulieren und so neue Erkenntnisse über das Verhalten dieser Makromoleküle zu gewinnen. Diese Erkenntnisse helfen Wissenschaftlern, Krankheiten besser zu verstehen und so effizienter zu bekämpfen. Zum ersten Mal einem grösseren Publikum vorgeführt wurde Folding@Home als App auf der Playstation 3.

Am 27. Februar 2020 kündigten die Projektleiter an, Folding@Home auf SARS-CoV-2 auszuweiten und baten die Welt darum, einen Teil ihrer Computerleistung der Bekämpfung dieser Pandemie zur Verfügung zu stellen. Dies ist denkbar einfach: Man lädt die Software herunter, stellt die Rechenintensität ein und hilft automatisch mit, die Welt zu retten. Dabei kann der Rechner nach wie vor normal verwendet werden (ausser vielleicht zum Zocken). Gerade Eure mächtigen RTX-Grafikkarten sind dafür übrigens ideal.

Das Projekt verzeichnet seit Februar grosses Interesse. Bitte macht mit und stellt Eure GPU- und CPU-Power den Humanwissenschaftlern zur Verfügung!

 

3. F in den Chat für den Real-Life-Aspekt von Gaming 2020

E3, TwitchCon EU, WWDC, Minecraft Festival, GDC, Seattle ComicCon ... ein Tech- und/oder Gaming-bezogener Event nach dem anderen wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Auch Esports-Events, die normalerweise vom Gejubel des Publikums leben, fanden in fast schon geisterhafter Stille statt. Die letzte Architektur-Präsentation der kommenden Playstation 5 wurde im Rahmen eines ruhigen, unaufgeregten Fachvortrags durchgeführt, und auch hier vermisste man den Hype schmerzlich. Gerade für die berühmte Electronic Entertainment Expo oder E3 soll die Absage einigen Kreisen zufolge einem Todesstoss gleichkommen, nachdem sie in den letzten Jahren mit nicht gerade zufriedenstellenden Besucherzahlen gekämpft hatte. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass alle Real-Life-Events bis ungefähr Juli 2020 wohl kaum durchgeführt werden. Für die meisten später stattfindenden Conventions besteht noch immer Hoffnung. Dennoch: Die durch die Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus arg gebeutelte Eventbranche erlebt gerade ein katastrophales Jahr. Auch hauptsächlich kleinere Gamehersteller wären auf den Hype, den sie an einem Event à la E3 erzeugen könnten, angewiesen.

 

4. Ist der Launch der neuen Konsolengeneration verschoben?

«Nein», liessen Sony Computer Entertainment zuletzt verlauten. Sie möchten ihre neue Konsole wie geplant um Weihnachten 2020 auf den Markt bringen. Von Microsoft wurde bislang nichts anderes vernommen. Nur Nintendo kündigten offenbar Herstellungs- und Lieferverzüge für ihre Switch an. Während die meisten Fabrikationsplätze für die nötige Hardware die Arbeit bereits wieder aufgenommen haben, bleibt zu bedenken, dass nun die gesamte versäumte Produktionszeit seit sicherheitsbedingter Schliessung der Fabriken erst einmal aufgeholt werden muss. Was das für die neue Konsolengeneration tatsächlich bedeutet, bleibt abzuwarten.

 

5. Spielerisch lösen wir das Problem nicht

Auch wenn wir als Gamer einen vergleichsweise guten Stand haben, Quarantänesituationen ohne auf den Kopf gefallene Decken zu überstehen, muss es dennoch wiederholt werden: Die Lage ist ernst. SARS-CoV-19 ist keine Grippe und auch nicht grippeähnlich. Die Auswirkungen sind verheerend, denn viele Fälle zeigen nicht nur die bekannten Symptome am und Erkrankungen des Atmungsapparats, sondern leiden zusätzlich unter Nierenversagen oder Herzstörungen. Die aktuell verhängten Quarantänemassnahmen sind nicht dazu da, Euch zu ärgern, sondern Euch (und vor allem jene unter und um Euch herum, welche besonders anfällig sind) zu schützen. Bitte seid sorgfältig, bleibt zuhause wenn Ihr nicht arbeiten oder helfen gehen müsst, desinfiziert lieber einmal zu oft und wascht Euch mehrmals täglich mindestens eine Minute lang die Hände gründlich. Und als Pro-Tipp: Füllt ein bisschen Desinfektionsalkohol (mindestens 60%!) in ein leeres Sprayfläschchen — perfekt, um damit Tastaturen, Mäuse, Controller und Smartphones sauber zu halten!

 

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