Fall Breivik: World of Warcraft als Vorbereitung

Fantasy-MMO World of Warcraft als Vorbereitung?Heute morgen hat in Oslo hat der Prozess begonnen gegen den Attentäter Anders Behring Breivik, welcher im letzten Sommer über siebzig Menschen tötete. Er will in Notwehr gehandelt haben. Kurz nach 11 Uhr wird besprochen, dass Breivik von 2009 bis 2011 an seinem Manifest arbeitet und während dieser Zeit sehr oft World of Warcraft spielte. Der Staatsanwalt Svein Holden bezieht sich dabei auf die vermeintliche Gewaltdarstellungen im Spiel.

World of Warcraft ist laut PEGI für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben und zeichnet sich durch eine liebevolle Comic-Grafik aus. Also das Gegenteil von dem, was sich Leute unter dem leidigen Begriff "Killerspiel" vorstellen. In einer virtuellen Welt kann man sich zu Gruppen zusammenschliessen und gemeinsam Abenteuer erleben. Inwiefern die comichafte Darstellung von Schwertkämpfen und Zaubern vom Staatsanwalt mit dem Attentat in Verbindung gebracht wurde ist derzeit noch unbekannt.

Gerade First-Person Shooter stehen im Verdacht, ihre Konsumenten an die Gewalt und Hektik auf echten Schlachtfeldern zu gewöhnen. Diesen Spielen wurde nachgesagt, vom Militär spezifisch für die Hirnwäsche junger Menschen entwickelt worden zu sein, um in naher Zukunft eine grössere Menge emotional abgestumpfter Soldaten hervorzubringen. IGN, eine globale Entertainment-Webseite, die sich auf Videospiele spezialisiert hat, wollte es wissen und sprach mit echten amerikanischen Soldaten: Wie nahe liegen aktuelle Spiele wie Modern Warfare 3 und Battlefield 3, welche die aktuelle Referenz für Realismus in Kriegsspielen sind, am echten Krieg? Wie viel Krieg steckt wirklich in heutigen Videospielen?

Noch immer glauben viele Menschen fälschlicherweise, Computerspiele machen aggressiv und gewalttätig, während all die positiven Nebeneffekte elegant unter den Tisch gekehrt werden. Hier nur ein Beispiel: Computerspielen hält das Gehirn fit. Davon sind auch die Forscher des Inapic (International Normal Aging and Plasticity Imaging Center) der Universität Zürich überzeugt. Aus diesem Grund haben sie nun in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ein Spiel entwickelt, welches Senioren helfen soll, geistig jung zu bleiben.

In der Sendung "Explosiv" des deutschen Privatsenders RTL wurde am 19. August ein Bericht ausgestrahlt, dessen Inhalt in Deutschland zu einer Protestwelle unter Gamern geführt hat. In dem Bericht werden Spieler, welche die GamesCom besuchen, durch eine offenbar kaum an der Spieleszene interessierte Studentin und Messehostess als tendenziell ungepflegte, schlecht riechende Menschen mit Hang zu geschmackloser Kleidung dargestellt, welche keinen Wert auf Körperflege legen und wenig Sozialkompetenz aufweisen.

Für den 10. Nerdy By Nerds Audiopodcast wurde GameRights-Präsident von Joel, einem der Nerds und gleichzeitig GameRights-Autor, zu einer gemütlichen Talkrunde eingeladen. Zusammen diskutierten die beiden über die Tätigkeit und Ziele von GameRights, die aktuelle politische sowie rechtliche Lage in der Schweiz und erklären, wie man als Gamer aktiv mithelfen kann, um seine Leidenschaft gegen Vorurteile und Verbote zu verteidigen. Weiter wird auch ein kleiner Ausblick auf künftige Projekte von GameRights gegeben und zu guter Letzt durften die Spiele natürlich nicht zu kurz kommen. Hört rein!

Die Links zum Podcast:

Verbotsforderungen jeglicher Art machen sich in der heutigen Medienlandschaft immer gut, vor allem im Sommerloch. Anders ist es nicht zu erklären, wieso der christliche Polizeiverband mit seiner Forderung (PDF), das Spiel "The Darkness" zu verbieten, auf derart viel Medienresonanz gestossen ist. Neben 20 Minuten online haben auch diverse deutsche Websites und die international bekannte Gamerwebsite Kotaku das Thema aufgegriffen. Die Pressemitteilung von GameRights wurde dabei ebenfalls teilweise veröffentlicht und kann hier im Original nachgelesen werden.

Der Polizeiverband fordert, vor dem Hintergrund der Unruhen in London das Spiel "Darkness" zu verbieten, weil man in diesem auf Polizisten schiessen könne. Der Verband stiftet allerdings bereits mit der ungenauen Bezeichnung des Spiels für Verwirrung, denn im Spiel "The Darkness 2", welches erst im Frühjahr 2012 erscheint, tauchen laut Hersteller gar keine Polizisten auf. Der Vorgänger des Spiels, "The Darkness", bietet zwar die Möglichkeit, auf Polizisten zu schiessen, dies ist aber laut GameRights-Community nicht der zentrale Spielinhalt, von einer gezielten Jagd auf Polizisten kann also überhaupt nicht gesprochen werden. Im übrigen erschien das Spiel bereits im Jahre 2007, es zeugt also nicht gerade von Kompetenz im Bereich der interaktiven Medien, wenn dem Polizeiverband ein Spiel  auffällt, welches bereits seit 4 Jahren im Handel erhältlich ist, eine Verbotsforderung muss hier selbst dem grössten Gegner von Actionspielen absurd vorkommen.

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